Neuer Onlinekurs 'Medizinische Fachbegriffe einfach entschlüsseln'
Die Lunge ist mehr als nur ein Organ, das Luft ein- und ausatmet. Sie ist ein hochkomplexes System, das deine Zellen ununterbrochen mit Sauerstoff versorgt und Kohlendioxid aus deinem Körper entfernt. Ohne Sauerstoff könntest du nur wenige Minuten überleben, während dein Körper andere Dinge wie Essen oder Wasser viel länger entbehren kann. Die Lunge arbeitet unermüdlich, Tag und Nacht, ohne dass du bewusst daran denken musst .
Doch wie genau funktioniert dieses lebenswichtige Organ? Lass uns in dieser Episode also mal die Lunge Schritt für Schritt erkunden.
Um besser zu verstehen, wie die Lunge arbeitet & für welche Funktionen sie zuständig ist, schauen wir uns zuerst mal an, wie die Lunge grob aufgebaut ist. Für alle, die meinen Anatomiekurs zum Atmungssystem bereits durchgearbeitet haben, die können hier mal kurz eine Pause machen & sich selbst den Aufbau der Lunge erklären & anschließend nachlesen, ob sie richtig lagen.
Deine Lunge sitzt geschützt im Brustkorb zwischen Rippen, Wirbelsäule und Brustbein. Sie besteht aus zwei Lungenflügeln:
Der rechte Lungenflügel ist größer und in drei Lappen unterteilt.
Der linke Lungenflügel ist kleiner und hat zwei Lappen, weil dort das Herz noch Platz einnimmt.
Die Lunge wird von einer feinen Doppelhaut umgeben:
Lungenfell (Pleura visceralis) – liegt direkt auf der Lunge.
Rippenfell (Pleura parietalis) – kleidet den Brustkorb aus.
Zwischen dieser feinen Doppelhaut - also zwischen den beiden Pleuraschichten - befindet sich ein dünner Flüssigkeitsfilm, der als Gleitmittel dient - die sogenannte Pleuraflüssigkeit. So kann sich die Lunge bei jedem Atemzug nahezu reibungslos bewegen. Stell dir vor, du hast zwei Glasscheiben mit ein bisschen Wasser dazwischen - du kannst die Glasscheiben gegeneinander verschieben, aber fast unmöglich voneinander trennen. Genau diesen Effekt macht sich die Lunge zunutze, denn so kann die Lunge beim Ein- & Ausatmen ganz unproblematisch bewegen & wird durch den Unterdruck, der zwischen den Pleuraschichten herrscht immer der Brustkorb- & Zwerchfellbewegung entsprechend ausgedehnt oder zurück in ihre Ursprungsposition gebracht.
Hier kommt schon der erste Hinweis: die Lunge ist kein aktiv arbeitendes Gewebe - sie besitzt also selbst keine Muskulatur, die dafür sorgt, dass sie sich selbst ausdehnt & zusammenzieht, wodurch die Luft in die Lunge einströmt & wieder ausströmt. Dafür ist ausschließlich die Atemmuskulatur zuständig - aber die schauen wir uns in der nächsten Episode an - also sein gespannt auf nächste Woche 🎉
Schauen wir uns doch jetzt mal an, wie die Luft in die Lunge kommt - aber nicht wie sie mechanisch in die Lunge gelangt (das ist ja das Thema im nächsten #anatomittwoch), sondern eher welchen Weg die Luft von der Nase bis zu den Alveolen - also den winzigen Lungenbläschen - nimmt, an denen der Gasaustausch letztlich stattfindet.
Wenn du einatmest, gelangt die Luft über Nase oder Mund in deinen Körper – am besten aber über die Nase. Denn sie erfüllt gleich mehrere Schutz- und Vorbereitungsfunktionen:
Filterung: Kleine Härchen und die Schleimhaut halten Staub und größere Partikel zurück, sodass sie nicht in die tieferen Atemwege gelangen.
Befeuchtung: Die Schleimhaut macht die Luft feuchter, damit sie die empfindlichen Lungen nicht austrocknet oder reizt.
Erwärmung: Die Luft wird schon leicht angewärmt, bevor sie weiter in die Atemwege gelangt – das macht die Atmung angenehmer und schützt die Lunge.
So werden trockene, kalte Luft oder Schmutzpartikel bereits weitgehend abgefangen, bevor sie in die Lunge gelangen.
Von der Nase aus nimmt die Luft ihren Weg durch den Rachen (Pharynx) und weiter durch den Kehlkopf (Larynx). Dort sitzt auch die Stimmritze, die beim Atmen geöffnet ist und beim Sprechen oder Singen Töne erzeugt. Anschließend gelangt die Luft in die Luftröhre (Trachea). Sie ist durch ringförmige Knorpelspangen stabilisiert – ähnlich wie ein flexibler Schlauch –, damit sie beim Ein- und Ausatmen nicht zusammenfällt.
Am unteren Ende teilt sich die Luftröhre in die beiden Hauptbronchien, die jeweils in einen der beiden Lungenflügel führen. Dort verzweigen sie sich wie die Äste eines Baumes: aus den Hauptbronchien werden kleinere Lappenbronchien, dann noch feinere Segmentbronchien und schließlich die winzigen Bronchiolen.
Am Ende dieser Verzweigungen liegen die Lungenbläschen (Alveolen) – winzige, blasenförmige Strukturen, von denen es über 300 Millionen gibt. Ihre dünnen Wände sind dicht von Kapillaren umgeben. Genau hier passiert das Wesentliche: der Gasaustausch. Sauerstoff aus der eingeatmeten Luft diffundiert durch die dünne Alveolenwand ins Blut, während Kohlendioxid aus dem Blut in die Alveolen übertritt und anschließend ausgeatmet wird.
Die Lunge verfügt über ein hochentwickeltes Abwehrsystem, das Tag für Tag Schadstoffe, Staub und Krankheitserreger fernhält. Ohne diesen Schutz wären die empfindlichen Strukturen der Lunge schnell überlastet.
Schleimschicht & Flimmerhärchen (mukoziliäre Clearance):
Die Innenwände der Atemwege sind von einer Schleimhaut ausgekleidet, die zwei wichtige Bestandteile hat: eine dünne Schleimschicht und winzige bewegliche Härchen, die sogenannten Zilien. Diese Zilien schlagen koordiniert wie kleine Ruder in Richtung Rachen. Dabei transportieren sie Schleim mitsamt eingeatmeten Fremdstoffen - Staub, Pollen, Bakterien oder Viren - kontinuierlich nach oben. Man kann sich das wie ein Förderband vorstellen, das die Atemwege selbstständig reinigt.
Husten- und Niesreflex
Gelangen doch größere Partikel, Flüssigkeitstropfen oder Reizstoffe in die Atemwege, greifen Schutzreflexe ein. Beim Husten schließen sich die Stimmbänder kurz, die Luft wird mit hohem Druck ausgestoßen und Fremdstoffe werden herausgeschleudert. Beim Niesen passiert etwas Ähnliches in den oberen Atemwegen: Hier wird Luft explosionsartig ausgestoßen, um die Nase von Reizstoffen zu befreien. Diese Reflexe sind so effektiv, dass Partikel mit Geschwindigkeiten von über 150 km/h hinausbefördert werden können.
Nasenatmung als erste Schutzbarriere
Die Nase wirkt wie ein natürlicher Luftfilter. Ihre Schleimhäute und feinen Härchen halten gröbere Partikel zurück, während gleichzeitig die Luft befeuchtet und angewärmt wird. Gerade bei kalter, trockener Luft verhindert das, dass die tieferen Atemwege austrocknen oder gereizt werden.
Doch dieses Schutzsystem hat Grenzen. Werden die Atemwege dauerhaft durch Rauchen, Luftverschmutzung, Abgase oder Feinstaub belastet, kann die Selbstreinigung gestört werden: Die Flimmerhärchen bewegen sich langsamer oder werden sogar zerstört, die Schleimproduktion verändert sich, und Schadstoffe gelangen tiefer in die Lunge. Das führt nicht nur zu Reizungen und Husten, sondern kann langfristig schwere Erkrankungen wie chronische Bronchitis oder COPD begünstigen.
Wenn du noch mehr über die Lunge & das gesamte Atmungssystem lernen möchtest, aber alles in deinem eigenen Tempo - dann kann ich dir den 'Anatomie für Anfänger' Onlinekurs zum Atmungssystem ans Herz legen.
Nachdem wir gesehen haben, wie raffiniert die Lunge sich im Alltag schützt, stellt sich die nächste Frage: Was passiert, wenn diese Schutzmechanismen überlastet werden oder wenn Krankheitserreger, Schadstoffe oder genetische Faktoren die Lunge dauerhaft schädigen? Dann können verschiedene Lungenerkrankungen entstehen - jede mit ganz eigenen anatomischen Veränderungen und Folgen für den Körper.
Asthma ist eine chronische Erkrankung der Bronchien, also der kleinen Luftwege, die die eingeatmete Luft zu den Lungenbläschen transportieren. Bei Asthma reagieren diese Bronchien überempfindlich auf Reize wie Pollen, Hausstaub, kalte Luft oder körperliche Belastung. Die Schleimhaut schwillt als Reaktion an, die Schleimproduktion nimmt zu, und die glatte Muskulatur der Bronchien verkrampft (Bronchospasmus).
Die Folge: Die Luftwege verengen sich & die Luft strömt nur noch eingeschränkt in die Lungenbläschen. Typisch sind Atemnot, pfeifende Atmung (Giemen) und Husten.
COPD ist eine dauerhafte Erkrankung der Atemwege, die meist durch jahrelanges Rauchen oder Schadstoffbelastungen entsteht. Sie betrifft vor allem die kleinen Bronchien und die Lungenbläschen (Alveolen). In den Bronchien sorgt eine ständige Entzündung dafür, dass sich ihre Wände verdicken und immer mehr Schleim gebildet wird. Dadurch bleiben die Atemwege dauerhaft verengt – die Luft kann schlechter ein- und ausgeatmet werden. Gleichzeitig werden in der Lunge die feinen Wände zwischen den Alveolen zerstört. Normalerweise bilden diese Wände eine riesige Oberfläche für den Gasaustausch. Wenn sie zerreißen, verschmelzen mehrere Alveolen zu großen, weniger funktionstüchtigen Hohlräumen - das nennt man Lungenemphysem.
Die Folge: Schon bei kleinster Anstrengung tritt Atemnot auf, weil die Lunge weniger Sauerstoff ins Blut bringen kann. Typisch sind außerdem chronischer Husten, Auswurf und eine zunehmende Belastungsintoleranz.
Daher mein Appell☝🏼: schützt eure Lungen & hört auf mit dem Rauchen, falls ihr es immer noch macht - die Folgen werden oft belächelt, aber ich kann euch eins sagen: allein die Auswirkungen von COPD betroffenen Menschen sehen zu müssen, ist wirklich heftig. Vielleicht hattest du selbst schon mal das Gefühl keine Luft zu bekommen? Oder warst nach einem Infekt körperlich nicht belastbar & hast bei kleinsten Anstrengungen schon Atemnot bekommen? Genau so geht es COPD Betroffenen tagtäglich - wirklich grauenhaft mit anzusehen.
Eine Pneumonie ist eine Infektion der Lungenbläschen (Alveolen), manchmal auch der kleinsten Bronchiolen. Auslöser können Bakterien, Viren oder Pilze sein. Normalerweise sind die Alveolen luftgefüllt und von einem dichten Netz aus Kapillaren umgeben - hier findet der lebenswichtige Gasaustausch statt. Bei einer Entzündung sammeln sich jedoch Flüssigkeit, Eiter und Abwehrzellen im Inneren der Alveolen an.
Die Folge: Die zarten Alevolenwände entzünden sich & verdicken - das verhindert, dass Sauerstoff ungehindert ins Blut übertritt. Dadurch sinkt der Sauerstoffgehalt im Blut & auch das Kohlendioxid wird schlechter abgegeben. Typisch sind Fieber, Schüttelfrost, Husten (oft mit Auswurf), Atemnot, Brustschmerzen und ein starkes Krankheitsgefühl.
Die Lungenfibrose ist keine einzelne Krankheit, sondern eher ein gemeinsamer Endzustand vieler Lungenschädigungen (z. B. durch chronische Entzündungen, Schadstoffe oder Autoimmun-Erkrankungen). Dabei wandelt sich gesundes Lungengewebe nach und nach in Narbengewebe um. Vor allem das Bindegewebe zwischen den Alveolen verdickt und verhärtet - anstelle von elastischem, luftdurchlässigem Gewebe entsteht somit festes, starres Narbengewebe. Die Lunge verliert dadurch ihre Dehnbarkeit - man spricht dann von einer „restriktiven Ventilationsstörung“.
Die Folge: Beim Einatmen kann sich die Lunge nicht mehr vollständig ausdehnen, die Alveolenwände verdicken und verlängern so den Weg, den der Sauerstoff ins Blut überwinden muss. Dadurch entwickeln sich Symptome wie zunehmende Atemnot, die zuerst bei Belastung auftritt, aber später auch in Ruhe eintritt & eingeschränkte körperliche Belastbarkeit.
Eine Lungenembolie entsteht, wenn ein Blutgerinnsel (Thrombus) in die Lunge eingeschwemmt wird. Häufig bildet sich dieses Gerinnsel in den tiefen Bein- oder Beckenvenen (tiefe Venenthrombose) und wandert über das Herz in die Lungenarterien. Dort blockiert es plötzlich den Blutfluss. Das betroffene Lungengebiet wird nicht mehr ausreichend durchblutet. Die Alveolen in diesem Bereich sind zwar weiterhin mit Luft gefüllt, aber ohne Blutversorgung findet dort kein Gasaustausch mehr statt.
Die Folge: Der Sauerstoffgehalt im Blut sinkt abrupt, das Herz muss stärker arbeiten, um den Druck in der Lungenarterie zu überwinden. Symptome sind plötzliche Atemnot, Brustschmerzen, schnelle Atmung und Herzfrequenz, manchmal auch Husten mit Blut. In schweren Fällen droht ein Kreislaufkollaps - eine Lungenembolie kann dadurch schnell lebensbedrohliche Ausmaße entwickeln.
Was du selbst für deine Lunge tun kannst:
regelmäßig bewegen - das stärkt die Atemmuskulatur,
frische Luft genießen & tief Einatmen,
Rauch und Schadstoffe möglichst meiden,
auf eine gute Immunabwehr achten.
So bleibt deine Lunge nicht nur gesund, sondern du spürst auch ganz unmittelbar, wie frei und kraftvoll Atmen sich anfühlen kann.
In der nächsten Episode schauen wir uns dann die Mechanik hinter der Atmung an - also wie gelangt die Luft überhaupt bis in die Alveolen & wie ist es möglich, dass wir auch im Schlaf weiterhin atmen? Mit diesen Fragen & noch mehr beschäftigen wir uns nächste Woche - bis dahin kannst du dein neu angesammeltes oder wieder aufgefrischtes Wissen über die Inhalte der heutigen Episode direkt im WissensCheck selbst prüfen 🎉
Wie ist die Lunge grob anatomisch aufgebaut?
Über welche Strukturen gelangt die Luft von der Nase bis hin zu den Alveolen?
Was passiert beim Gasaustausch in den Alveolen?
Welche Funktion haben die Flimmerhärchen und der Schleim in den Atemwegen?
Was versteht man unter Asthma bronchiale und welche Strukturen sind vor allem betroffen?
Welche Veränderungen treten bei Asthma in den Bronchien auf?
Wie unterscheidet sich COPD von Asthma auf anatomischer Ebene?
Welche Rolle spielen die Alveolen bei COPD?
Was passiert bei einer Lungenentzündung (Pneumonie) in den Alveolen?
Welche Auswirkungen hat Lungenfibrose auf das Lungengewebe und die Atmung?
Warum wird die Lunge bei einer Lungenfibrose weniger elastisch?
Wie kommt es zu einer Lungenembolie?