Neuer Onlinekurs 'Medizinische Fachbegriffe einfach entschlüsseln'
In der letzten Episode haben wir über die Knochen des menschlichen Körpers gesprochen - besser gesagt wie sie aufgebaut sind & welche wichtigen Funktionen sie noch haben außer als Stützgerüst des menschlichen Körpers angesehen zu werden.
Schauen wir doch mal, ob du dich noch an Einzelheiten der letzten Episode erinnerst: Weißt du noch, welche Teile des Knochens nicht mit Periost überzogen sind? Die Antwort auf die Frage bringt uns nämlich zu unserem heutigen Thema: die Gelenke.
Überleg dir vielleicht kurz mal, bevor du weiterliest, wie du so ein Gelenk definieren würdest - wie ist so ein Gelenk aufgebaut, welche Funktionen & Aufgaben erfüllt es, was sind wichtige Bestandteile & welche Funktionen haben die einzelnen Komponenten eines Gelenks? Genau das - & noch viel mehr - werden wir uns in dieser Episode anschauen & möglicherweise werden deine Annahmen über die menschlichen Gelenke etwas über Bord geworfen.
Prinzipiell könnte man jetzt davon ausgehen, dass so ein Gelenk eigentlich nur die bewegliche Verbindung zwischen zwei oder mehreren Knochen ist - das stimmt aber eigentlich gar nicht. So ein Gelenk besteht aus weit mehr Strukturen, als man im ersten Moment vielleicht denkt.
Doch bevor wir uns den einzelnen Bestandteilen eines Gelenks widmen, müssen wir hier erst einen Mythos aufklären. Viele gehen nämlich davon aus, dass es sich bei Gelenken immer um bewegliche Verbindungen zwischen Knochen handelt - das stimmt aber nicht.
Diese beweglichen Gelenke, von denen wir hier sprechen, werden als echte Gelenke bezeichnet - in der Medizin auch als Diarthrosen bekannt. Sie definieren sich durch ihren typischen Aufbau mit einem Gelenkkopf & einer Gelenkpfanne, die jeweils beide mit Knorpel überzogen sind. Dazwischen lieg ein schmaler Gelenkspalt, in dem sich die Gelenkflüssigkeit befindet und drumherum befindet sich noch die Gelenkkapsel.
Diese Strukturen schauen wir uns später noch ganz genau an, denn den Aufbau eines Gelenks genau zu verstehen, ist wahnsinnig wichtig, um Gelenkerkrankungen & präventive Maßnahmen besser nachvollziehen zu können.
Es gibt jedoch auch Verbindungen zwischen Knochen, die keinen Gelenkspalt haben & keine oder nur geringe Beweglichkeit aufweisen. Diese Verbindungen werden unechte Gelenke genannt - in der Medizin auch als Synarthrosen bekannt. Diese Gelenke sind direkt durch Bindegewebe, Knorpel oder Knochen verbunden & besitzen daher keinen Gelenkspalt, wodurch sie gar keine oder nur kaum Beweglichkeit zulassen.
Je nach Art dieser Verbindung unterscheidet man:
Syndesmosen - Verbindungen über Bänder (z.B. die Verbindung zwischen Schienbein & Wadenbein, das Art. tibiofibulare)
Synchondrosen - Verbindungen über Knorpel (z.B. Rippenknorpel oder die Schambeinfuge, die Symphysis pubica)
Synostosen - verknöcherte Verbindungen (z.B. die verknöcherten Schädelnähte im Erwachsenenalter)
💡Tipp: die Vorsilbe 'syn' bedeutet immer so etwas wie 'zusammen' - also kann man sich hier die Verbindungskomponente schon ganz gut herleiten. Der Wortstamm 'chondr-' bedeutet Knorpel & 'ost(eo)-' bedeutet Knochen.
Kommen wir nochmal zurück zu den Bestandteilen eines echten Gelenks, den Diarthrosen. Ein echtes Gelenk besteht grundsätzlich aus mindestens zwei Knochenende, die mit einer hyalinen Knorpelschicht überzogen sind. Dabei passt der Gelenkkopf des einen Knochens meistens ziemlich gut in die Gelenkpfanne des anderen Knochens - wie ein Schlüssel ins Schloss quasi.
Beide Gelenkflächen der Knochenenden sind mit einer glatten hyalinen Knorpelschicht überzogen, die Stöße abfedert & Reibung minimiert. Dazwischen liegt der Gelenkspalt, also ein minimaler Spalt zwischen den beiden mit knorpelüberzogenen Knochenenden.
In diesem Gelenkspalt befindet sich eine spezielle Flüssigkeit, die sogenannte Synovialflüssigkeit - auch als Gelenkschmiere bekannt. Damit diese Flüssigkeit auch an Ort & Stelle bleibt & das Gelenk zusätzlich geschützt & stabilisiert wird, ist um das Ganze herum die Gelenkkapsel gespannt.
Alle diese Bestandteile eines echten Gelenks sind extrem wichtig für dessen Funktionalität & Gesundheit. Doch bevor wir uns die einzelnen Bestandteile genauer anschauen, sollten wir einen Blick auf die verschiedenen Gelenktypen legen:
Echte Gelenke lassen sich nach ihrer Form und Bewegungsmöglichkeit in verschiedene Typen einteilen. Die Form der Gelenkpartner - also die Form der artikulierenden Knochenenden - gibt dir schon Hinweise darauf, um welches Gelenk es sich handeln könnte & welche Bewegungen möglich sein können.
Wichtig sind im Zusammenhang mit den Gelenktypen & der Biomechanik dieser Gelenktypen zwei Begriffe: konvex & konkav.
konvex = die Oberfläche wölbt sich nach außen, das ist meist der Gelenkkopf
konkav = die Oberfläche wölbt sich nach innen, das ist meist die Gelenkpfanne
Hier ist noch ein super Merkspruch, der zwar etwas altmodisch von der Betrachtungsweise ist, aber sehr bildlich verdeutlicht, was diese beiden Begriffe bedeuten.
Hat das Mädchen Sex, wird der Bauch konvex.
War das Mädchen brav, bleibt der Bauch konkav.
Erklärung: Wenn das Mädchen Sex hat - ungeschützt wohlgemerkt - dann wird es schwanger & der Bauch wölbt sich nach außen vor. Wenn das Mädchen brav war - gehen wir jetzt einfach mal von keinem oder geschütztem Sex aus, dann ist sie nicht schwanger geworden & damit bleibt der Bauch "konkav" - also eingezogen. Idealerweise ist natürlich kein Bauch konkav & damit nach innen gewölbt, aber es macht den Merkspruch einfach zu merken.
Mit diesem Wissen im Hinterkopf schauen wir uns jetzt die einzelnen Gelenktypen etwas genauer an & welche Bewegungen sie ermöglichen.
Das Kugelgelenk besteht seinem Namen entsprechend aus einem kugelförmigen Gelenkkopf & einer dazu passenden Gelenkpfanne, die den kugelförmigen Kopf aufnimmt. Durch diese runde, kugelige Form ermöglichen Kugelgelenke Bewegungen in fast alle Richtungen. Die bekanntesten Beispiele sind das Schultergelenk (Art. glenohumeralis) & das Hüftgelenk (Art. coxae). Beide Gelenke können ja in alle Richtungen bewegt werden.
Genau genommen ist das Hüftgelenk aber eine Unterform des Kugelgelenks - ein sogenanntes Nussgelenk. Ein Nussgelenk definiert sich ebenfalls durch einen kugelförmigen - also einen konvexen - Gelenkkopf & eine nach innengewölbte - eine konkave - Gelenkpfanne.
Der Unterschied zum reinen Kugelgelenk liegt darin, wie tief der Gelenkkopf in der Gelenkpfanne liegt. Wenn der Mittelpunkt - also das Zentrum des Gelenkkopfs - innerhalb der Gelenkpfanne liegt, dann spricht man von einem Nussgelenk.
Beim Nussgelenk liegt der Gelenkkopf also viel tiefer in der Gelenkpfanne drin - genau wie beim Hüftgelenk auch. Beim reinen Kugelgelenk liegt der Mittelpunkt jedoch normalerweise außerhalb der Gelenkpfanne - wie beim Schultergelenk.
Das Scharniergelenk hat seinen Namen zurecht verdient, denn es hat genau wie ein Scharnier auch nur eine Bewegungsachse & damit zwei Bewegungsrichtungen - die Beugung (Flexion) & die Streckung (Extension).
Grund dafür ist meist die knöcherne Form der Gelenkpartner. Die Gelenkpfanne ist in dem Fall nämlich keine runde Gelenkpfanne, sondern eher eine längliche Gelenkrinne, in der sich ein walzenartiger konvexer Gelenkkopf befindet.
Bekannte Scharniergelenke sind die Fingermittel- & -endgelenke, aber entgegen der häufigen Annahme ist das Kniegelenk kein typisches Scharniergelenk. Warum, das erfährst du gleich.
Das Drehgelenk ist seinem Namen entsprechend nur für Drehbewegungen - sogenannte Rotationen zuständig. Es gibt also auch wieder nur eine Bewegungsachse, um die sich das Gelenk bewegen kann. Es besteht aus einem zapfenartigen & einem ringartigen Gelenkpartner.
Wichtig ist hier als Unterscheidung zu anderen Gelenken, dass ein Gelenkpartner immer feststehend ist & nicht bewegt werden kann. Der jeweils andere Gelenkpartner bewegt sich dann entweder um den anderen oder in dem anderen. Je nachdem welcher Gelenkpartner rotiert, unterscheidet man zwei Formen von Drehgelenken: das Radgelenk & das Zapfengelenk.
beim Radgelenk bewegt sich der äußere konkave Ring um einen feststehenden konvexen Zapfen - ähnlich wie bei einem Rad. Ein Beispiel für ein Radgelenk ist das distale Radioulnargelenk, bei dem sich die Einkerbung (Rinne) der beweglichen Speiche um die feststehende konvexe Elle (Zapfen) dreht.
beim Zapfengelenk bewegt sich hingegen der konvexe Zapfen in der feststehenden Rinne. Ein Beispiel ist das proximale Radioulnargelenk, bei dem die bewegliche konvexe Speiche (Zapfen) in der Einkerbung (Rinne) der feststehenden Elle rotiert.
🔥Hier noch eine einprägsame Eselsbrücke:
Radgelenk = das Rad bewegt sich ➡️ der bewegliche Anteil ist der äußere Ring, wie beim Rad auch
Zapfengelenk = der Zapfen bewegt sich ➡️ der bewegliche Anteil ist der innere Knochenzapfen
Seinem Namen kannst du bereits entnehmen, dass es sich hierbei um eine Kombination aus Scharniergelenk & Drehgelenk handelt - dementsprechend hat dieser Gelenktyp zwei Bewegungsachsen - die des Scharniergelenks & die des Drehgelenks - & damit 4 Bewegungsrichtungen: die Beugung (Flexion), die Streckung (Extension) & die beiden Rotationsrichtungen (Außenrotation & Innenrotation).
Der bekannteste Vertreter dieses Gelenktyps ist das Kniegelenk. Denn du kannst dein Kniegelenk nicht nur beugen & strecken, sondern auch in gebeugtem Zustand nach innen & außen drehen.
Auch das Eigelenk hat seinen Namen seiner Form zu verdanken. Der Gelenkkopf des Eigelenks ist nämlich nicht kugelförmig, sondern ei- oder ellipsenförmig. Dadurch erlaubt es weniger Beweglichkeit als ein Kugelgelenk, aber mehr Beweglichkeit als ein Scharniergelenk. Zu der Beugung (Flexion) & Streckung (Extension) kommt hier nämlich noch eine leichte seitliche Kippbewegung hinzu.
Das proximale Handgelenk zwischen Unterarm & Handwurzel, auch als Art. radiocarpalis bekannt ist ein solches Eigelenk. Du kannst in diesem Gelenk dein Handgelenk beugen (Palmarflexion) & strecken (Dorsalextension) & leicht seitlich kippen - zur Speiche hin (Radialduktion) & zur Elle hin (Ulnarduktion).
Das Sattelgelenk hat seine Bezeichnung seinen zwei sattelartigen Gelenkflächen zu verdanken. Jede Gelenkfläche hat wie ein Pfedesattel auch, eine mittlere konkave - also nach innengewölbte - Seite & zwei äußere konvexe - also nach außen gewölbte Seiten.
Bei einem Sattelgelenk liegen diese beiden Sattel gekreuzt übereinander. Dieser Gelenktyp kommt aber im menschlichen Körper nur einmal vor - beim Daumensattelgelenk, in der Medizin als Art. carpometacarpalis pollicis bekannt.
Diese besondere Gelenkform ermöglicht neben der Beugung (Flexion) & Streckung (Extension) sowie dem Wegführen (Abduktion) & Heranführen (Adduktion) des Daumens auch die einzigartige Opposition des Daumens - also die Bewegung, die es ermöglicht, dass dein Daumen die Kleinfingerseite berühren kann.
Diese Funktion macht unseren Daumen so multifunktional & unterscheidet uns Menschen & auch die Affen von anderen Säugetieren. Dadurch können wir nämlich im Gegensatz zu den anderen Säugetieren Dinge präzise greifen, schreiben, Werkzeuge halten & noch mehr.
Diese verschiedenen Gelenktypen sorgen dafür, dass unser Körper an jedem Ort genau die Beweglichkeit hat, die gebraucht wird – mal viel & mal gezielt begrenzt.
– wie funktioniert das eigentlich?
Damit Gelenke reibungslos funktionieren, sind alle Grundbestandteile eines Gelenks extrem wichtig: die Gelenkkapsel, der Gelenkknorpel & die Gelenkflüssigkeit. Gehen wir diesen Strukturen mal etwas genauer auf die Spur.
Die Gelenkkapsel (Capsula articularis) ist eine hüllenartige Bindegewebsstruktur, die jedes echte Gelenk (Diarthrose) vollständig umschließt. Sie verbindet die knöchernen Gelenkpartner miteinander und sorgt dafür, dass alles „dicht“ bleibt - wie ein schützender Sack ums Gelenk. Die Kapsel besteht aus zwei Schichten:
einer äußeren Faserschicht (Membrana fibrosa)
& einer inneren Schicht (Membrana synovialis).
Die äußere Faserschicht (Membrana fibrosa) besteht aus straffem Bindegewebe & ist daher sehr zugfest. Sie schützt dadurch das Gelenk vor Überdehnung & ist oft mit Bändern verwoben oder wird von diesen verstärkt.
Von innen liegt ihr die Membrana synovialis an - eine dünne, aber hochaktive & spezialisierte Gewebeschicht, die unter anderem die Gelenkschmiere - die Synovialflüssigkeit - produziert. Die Membrana synovialis besteht unter anderem aus spezialisierten Zellen - den Synoviozyten. Hier werden zwei Haupttypen unterschieden:
zum einen die Typ A-Synoviozyten, deren Aufgabe es ist Zelltrümmer & Abbauprodukte aus dem Gelenkspalt zu beseitigen - quasi der Putztrupp des Gelenks, der die unliebsamen Bestandteile, ähnlich wie Makrophagen aufisst & zersetzen
& zum anderen die Typ B-Synoviozyten, die die Synovia produzieren - also die Gelenkflüssigkeit.
Die Membrana synovialis sorgt also für die Beseitigung von Zelltrümmern & Abfallstoffen im Gelenkspalt & produziert die Gelenkflüssigkeit. Zudem enthält sie viele Gefäße, wodurch die Kapsel & damit auch die Gelenkflüssigkeit mit Sauerstoff & Nährstoffen versorgt wird. Diese gute Durchblutung fördert natürlich zum einen die Regeneration, aber zum anderen auch die Entzündung eines Gelenks.
Außerdem befinden sich in der Gelenkkapsel noch wahnsinnig viele Rezeptoren, die dem Gehirn zum einen Rückmeldung über die Stellung & Bewegung des Gelenks geben - über die sogenannten Propriozeptoren - & die Schmerzen ans Gehirn weiterleiten bei Entzündungen oder Überdehnungen - über die Nozizeptoren. Daher sind Entzündungen in Gelenken auch immer so wahnsinnig schmerzhaft, da es dort viele Nozizeptoren gibt, die Schmerzsignale ans Gehirn senden.
Die Gelenkflüssigkeit - die Synovia oder auch Synovialflüssigkeit - wird also von der inneren Schicht der Gelenkkapsel produziert - besser gesagt von den Typ B-Synoviozyten. Aber was ist die Gelenkflüssigkeit genau?
Die Synovia ist eine zähflüssige, klare bis leicht gelbliche Flüssigkeit, die sich im Gelenkspalt zwischen den Gelenkflächen befindet. Sie besteht aus:
Hyaluronsäure, was die Flüssigkeit viskös (dickflüssig) macht & für ihr die Schmierfähigkeit sorgt
Lubricin, was die Knorpeloberfläche schützt & die Reibung reduziert
Wasser & Elektrolyte, die zur Nährstoffversorgung beitragen
Glukose & Aminosäuren, die den Gelenkknorpel nähren
Makrophagen, die Abfallstoffe & Mikrotrümmer beseitigen
Diese Zusammensetzung macht sie so besonders & perfekt, um all die wichtigen Funktionen im Gelenk zu ermöglichen. Die Synovialflüssigkeit sorgt
als zusätzliche Schmierung im Gelenk, wodurch sie Reibung zwischen den Knorpelflächen beim Bewegen minimiert
als Stoßdämpfung im Gelenk, da sie durch ihre dickflüssige Konsistenz wie ein Druckpuffer bei Belastungen fungiert, z.B. beim Springen oder Laufen.
für die Reinigung & Immunabwehr innerhalb des Gelenks, da sie Makrophagen besitzt, die unliebsame Eindringlinge in sich aufnehmen & zerstören
& eine der wichtigsten Funktionen des Synovialflüssigkeit ist ihre Fähigkeit der Nährstoffversorgung. Die Nährstoffe in der Synovialflüssigkeit versorgen nämlich nicht nur die Gelenkkapsel, sondern auch den Gelenkknorpel - & das ist wahnsinnig wichtig. Warum - das schauen wir uns jetzt an.
Der Gelenkknorpel ist eine glatte, elastische Schicht aus sogenanntem hyalinem Knorpel, der die Gelenkflächen von echten Gelenken - den Diarthrosen - überzieht. Er wirkt wie eine Art Stoßdämpfer & sorgt für eine reibungsfreie Gleitfläche zwischen den Knochen - ganz ohne Quietschen & Scheuern.
Gelenkknorpel besteht hauptsächlich aus
Knorpelzellen, den sogenannten Chondrozyten (chondr- = Knorpel, -zyt = Zelle), die die Knorpelmatrix aufbauen & erneuern
sowie extrazellulärer Matrix - der Baustoff, der die Elastizität & Festigkeit des Gelenkknorpels ausmacht.
Die extrazelluläre Matrix besteht
bis zu 80% aus Wasser, was wichtig für die Stoßdämpfung ist,
Kollagenfasern Typ 2, die die Zugfestigkeit geben
Proteoglykane, was wichtige Bestandteile sind, die das Wasser binden & den Knorpel druckelastisch machen.
Leider hat der Gelenkknorpel aber eine Besonderheit, die ihn auch so anfällig macht: er besitzt weder Blutgefäße, noch Lymphgefäße & auch keine Nerven. Daher ist er voll & ganz auf die Ernährung durch die Synovialflüssigkeit angewiesen & wird nicht wie viele andere Gewebearten über die Blutgefäße mit Sauerstoff & Nährstoffen versorgt.
Diese Nährstoffversorgung läuft passiv über einen Prozess namens Diffusion. Dabei wandern Nährstoffe (z. B. Glukose, Sauerstoff, Aminosäuren) aus der Gelenkflüssigkeit in den Knorpel hinein, und Abfallstoffe (z. B. Kohlendioxid) wandern heraus.
Der wichtigste "Motor" für diese Ernährung ist Be- und Entlastung durch Bewegung.
Bei Druck (z. B. durch Gehen, Treppensteigen) wird alte Gelenkflüssigkeit aus dem Knorpel „ausgepresst“.
Bei Entlastung wird frische, nährstoffreiche Synovia „angesaugt“
Das kannst du dir wie einen Schwamm vorstellen, der sich vollsaugt & wieder ausgepresst wird. Das bedeutet letztendlich, dass
regelmäßige & moderate Bewegung den Knorpel gesund hält
Bewegungsmangel den Knorpel kaum versorgt & er abbauen kann
Überbelastungen oder Verletzungen den Knorpel dauerhaft schädigen können, da er durch die fehlende Durchblutung schlecht regeneriert & sich nicht erneuert
Arthrose ist eine der häufigsten Gelenkerkrankungen – vor allem bei älteren Menschen, aber zunehmend auch bei Jüngeren. Dabei handelt es sich um einen degenerativen Gelenkverschleiß, bei dem der Gelenkknorpel nach und nach dünner und brüchiger wird.
In fortgeschrittenen Stadien reiben Knochen auf Knochen – was natürlich zu enormen Schmerzen, Entzündungen und Bewegungseinschränkungen führt. Das berühmte Knirschen entsteht oft, wenn die Knorpelflächen uneben sind oder wenn die Gelenkflüssigkeit durch Veränderungen in ihrer Zusammensetzung ihre „Schmierwirkung“ verliert.
Die Ursachen für Arthrose können vielfältig sein - oft wird behauptet, dass es ganz normal ist irgendwann im höheren Alter unter Arthrose zu leiden - das es eine Volkskrankheit ist. Aber das stimmt nicht ganz, denn Arthrose ist in vielen afrikanischen Ländern kaum vorhanden. Grund dafür ist wahrscheinlich, dass die Menschen sich dort noch täglich viel & moderat bewegen, allein dadurch, dass sie meilenweite Strecken zu Fuß zurücklegen müssen, um Wasser im benachbarten Ort zu holen. Und hier haben wir auch schon den Schlüssel für gesunde Gelenke: viel, aber moderate Bewegung.
Denn meistens sind es Fehl- und Überbelastungen der Gelenke, die zu Arthrose führen. Fliesenleger haben meistens Arthrose in den Knien, weil sie tagtäglich nur im Knien arbeiten & diese dann natürlich einseitig überlastet werden. Maler & Handwerker haben oft Arthrose in der Schulter, weil sie permanent überkopf arbeiten & ihre Schultern dann dauerhaft überanspruchen.
Aber nicht nur Berufe üben diese Beschwerden aus - auch Verletzungen durch übermäßige Belastung beim Sport sind hierbei nicht zu vernachlässigen - extremes Abbremsen und viel Springen erzeugt übermäßige Belastung auf die Knie- & Sprunggelenke, viele Werfsportarten überlasten die Schultergelenke überdimensional. Wichtig ist hier vor allem eine gut trainierte umliegende Muskulatur des jeweiligen Gelenks, da eine gut trainierte Muskulatur diese Belastungen zu einem gewissen Grad gut abfangen kann. Daher ist Krafttraining gerade im Spitzensport egal welcher Art so wichtig - nicht nur um die Kraft zu haben, sondern auch um die Krafteinwirkung auf die Gelenke dadurch zu reduzieren & sie zu entlasten.
Jetzt hört es sich ja erst mal so an nach dem Motto 'Sport ist Mord', aber da muss ich ganz entschieden widersprechen. Denn das Schlimmste, was du deinen Gelenken antun kannst, ist Bewegungsmangel & Übergewicht. Die zusätzlichen Pfunde auf den Rippen sorgen dafür, das dein gesamter Bewegungsapparat mehr belastet wird als er sollte - daher werden auch deine Gelenke in Mitleidenschaft gezogen, denn die meisten Menschen mit Übergewicht - würde ich behaupten - haben leider keine gut trainierte Muskulatur, die die Extrapfunde gut abfangen kann.
Warum Bewegungsmangel schädlich für die Gelenke ist, solltest du dir an diesem Punkt eigentlich schon gut herleiten können - denn wodurch wird der Knorpel ernährt? Durch einen Wechsel von Be- & Entlastung, was einfach nur bedeutet: moderate Bewegung. Wenn deine Gelenke nicht bewegt werden, dann wir die Gelenkflüssigkeit weder gleichmäßig verteilt noch regelmäßig ausgetauscht & der Knorpel wird kaum ernährt, wodurch er dünner & spröder wird - hier haben wir dann die Problematik von Arthrose.
Natürlich gibt es auch genetische & hormonelle Veranlagungen, die arthrotische Veränderungen begünstigen, aber viele Mitglieder unserer Gesellschaft schieben leider gerne solche Dinge auf ihre Gene, obwohl sie - wenn sie ehrlich zu sich selbst wären - vielleicht auch die ein oder andere ungesunde Verhaltensweise haben - wie Bewegungsmangel & Übergewicht -, die eher für die Arthrose verantwortlich sind.
Die gute Nachricht ist also: Bewegung ist auch bei Arthrose kein Tabu - sondern sollte eine Therapie sein!
Bei Arthrose helfen
gelenkschonende Bewegungsformen wie Schwimmen & Radfahren, die die Gelenke gut & gleichmäßig durchbewegen ohne dabei enorme Krafteinwirkungen auf die Gelenke zu erzeugen
oder spezielles Krafttraining, das den Knorpelstoffwechsel durch wechselnde Be- & Entlastung anregt und die umliegende Muskulatur zusätzlich stärkt
eine Gewichtsreduktion bei Übergewicht
Vermeidung von Sportarten oder Positionen, die die Gelenke übermäßigem & ungleichmäßigem Druck aussetzen
Zur Vorbeugung - also zur Prävention - gilt das Gleiche: moderate Bewegung hält den Knorpel „in Form“ und sorgt für eine gute Nährstoffversorgung.
Wichtig ist: Regelmäßigkeit, moderate Dosierung & eine passende Belastung - und im Zweifelsfall ein Training unter fachlicher Anleitung.
& damit hast du hoffentlich wieder ein bisschen mehr über deinen eigenen Körper gelernt, weißt was du Gutes für deine Gelenke tun kannst & was du vielleicht eher vermeiden solltest, um weiterhin mit gesunden Gelenken durch's Leben gehen zu können!