Neuer Onlinekurs 'Medizinische Fachbegriffe einfach entschlüsseln'
In diesem #anatomittwoch gibt es ganz besondere Nachrichten, denn wir schauen uns nicht nur ein weiteres Körpersystem an, sondern es gibt auch starke Rabatte auf all meine Onlinekurse - aber dazu später mehr.
In der letzten Episode haben wir uns ja ausführlicher mit dem Herzen befasst & du hast seine Funktion als Blutpumpe kennengelernt. Du hast diese Episode verpasst? Dann klick hier.
Damit dein Blut aber auch vom Herzen weggeleitet & wieder zurückgeleitet werden kann, bedarf es einem geordneten System, dass das Blut systematisch in alle Ecken deines Körpers transportiert & es dort abgibt, wo es benötigt wird - gemeint sind deine Blutgefäße.
Genau diese Blutgefäße schauen wir uns in dieser Episode mal etwas genauer an & schauen wie sie sich unterscheiden & was du dafür tun kannst, damit deine Blutgefäße möglichst lang möglichst fit bleiben. Also, los geht's 🚀
Damit dieses Blutgefäßsystem so organisiert ablaufen kann, benötigt es verschiedene Arten von Blutgefäßen, die den unterschiedlichen Bedingungen im Körper gewachsen sind. Es wäre schließlich ziemlich unpraktisch, kleine dünne Gefäße direkt am Herzen zu haben, die einen wahnsinnigen Druck & große Blutmengen aufnehmen & aushalten müssen. Und im Gegensatz dazu starke & große Blutgefäße an deinen Fingerspitzen, wo kaum Platz ist. Natürlich hat sich unser Körper ein sehr ausgetüfteltes System überlegt, wodurch das Blut in organisierten Bahnen transportiert wird.
Grundsätzlich gibt es drei verschiedene Arten von Blutgefäßen, die du unbedingt kennen solltest: Arterien, Venen & Kapillaren.
Arterien sind die Blutgefäße, die das Blut vom Herzen weg transportieren - entweder vom Herzen in die Körperperipherie oder vom Herzen zu deiner Lunge
Venen sind die Blutgefäße, die das Blut wieder zurück zum Herzen transportieren - entweder aus der Körperperipherie oder von der Lunge zurück zum Herzen
Kapillaren sind die kleinsten Verästelungen, die zwischen den Arterien & Venen positioniert sind & an denen der Stoffaustausch des Blutes mit dem umliegenden Gewebe stattfindet
Kleiner Reminder:
Arterien führen Blut weg vom Herzen
Venen führen Blut zum Herzen zurück
die Farbe eines Gefäßes in anatomischen Zeichnungen sagt nichts über die Gefäßart aus, sondern nur über den Sauerstoffgehalt
rot = sauerstoffreiches Blut
blau = sauerstoffarmes Blut
Arterien, Venen & Kapillaren unterscheiden sich aber nicht nur aufgrund ihrer Lage oder Transportrichtung des Blutes, sondern vor allem aufgrund ihres unterschiedlichen strukturellen Aufbaus. Grund für diese strukturellen Unterschiede sind die verschiedenen Bedingungen sie ausgesetzt sind.
Schauen wir uns aber zuerst mal die Gemeinsamkeiten in ihrem Aufbau an. Sowohl die Arterien als auch die Venen bestehen aus einer dreischichtigen Gefäßwand:
die Tunica intima ist die innerste Schicht, die quasi die erste Schicht direkt am Blutstrom innerhalb des Gefäßes ist & aus glatten Endothelzellen besteht. Diese Glätte ist enorm wichtig: Sie sorgt dafür, dass das Blut reibungslos fließen kann und keine Strömungswiderstände entstehen. Außerdem spielt das Endothel eine aktive Rolle, indem es Botenstoffe ausschüttet, die Blutgerinnung, Gefäßweite und Entzündungsprozesse beeinflussen.
die Tunica media ist die mittlere Schicht, die aus glatten Muskelzellen und elastischen Fasern besteht - das ist die Muskelschicht des Blutgefäßes. Diese Schicht ist der „aktive Teil“ der Gefäßwand und bestimmt, wie weit oder eng ein Gefäß gestellt ist.
die Tunica externa - manchmal auch Adventitia genannt - stellt die äußere Schicht & damit die Barriere zum umliegenden Gewebe dar. Sie besteht hauptsächlich aus Bindegewebe und stabilisiert das Gefäß nach außen. Außerdem verlaufen hier kleine Blutgefäße (sogenannte Vasa vasorum), die die Gefäßwand selbst mit Nährstoffen versorgen.
In den Kapillaren besteht die Gefäßwand nur aus einer Schicht, nämlich der dünnen Tunica intima. Der Grund dafür ist auch ziemlich logisch, denn an den Kapillaren muss der Blutaustausch mit dem umliegenden Gewebe schnell vonstatten gehen. Daher wäre eine dreischichtige Gefäßwand viel zu umständlich & würde zu lange dauern. Außerdem sind die Kapillaren so winzig und verästelt, dass drei Schichten rein größentechnisch nicht möglich wären.
Wenn wir uns jetzt aber mal die Arterien & Venen etwas genauer betrachten, dann fällt auf, dass sie zwar einen ähnlichen Aufbau haben, aber dass die Stärke der einzelnen Schichten doch ziemlich variiert. Aber warum ist das so?
Übrigens, falls du es noch nicht weißt: Noch viel mehr Wissenswertes zu den Blutgefäßen & ihrer Rolle im Herz-Kreislauf-System erfährst du im 'Anatomie für Anfänger' Onlinekurs zum Herz-Kreislauf-System.
Arterien besitzen im Vergleich zu Venen eine deutlich dickere Muskelschicht, die sogenannte Tunica media. Der Grund dafür liegt in ihrer Funktion: Als Gefäße, die das Blut vom Herzen weg in den Körper transportieren, müssen sie dem hohen Druck standhalten, mit dem das Blut aus dem Herzen ausgeworfen wird.
Darüber hinaus haben Arterien eine wichtige Steuerungsaufgabe: Sie versorgen die verschiedenen Körperregionen je nach Bedarf mit Blut. Durch ihre kräftige Muskelschicht können sie ihren inneren Durchmesser gezielt verändern und dadurch bestimmen, wie viel Blut in bestimmte Gewebe fließt. Dieser aktive Wechsel von Zusammenziehen und Entspannen der Gefäßmuskulatur wird als Vasomotorik bezeichnet (vaso = Gefäß, motorik = Bewegung).
Wenn sich die Muskelschicht (Tunica media) des Gefäßes zusammenzieht, nennt man das Vasokonstriktion. Durch dieses Zusammenziehen wird der innere Durchmesser - das sogenannte Lumen - kleiner. Du kannst dir das ganz gut mit einem Gartenschlauch vorstellen, den man zusammendrückt: Der Durchfluss wird weniger & der Druck auf den Gartenschlauch wird dadurch höher. Genauso ist es auch bei den Blutgefäßen. Wenn sich die Blutgefäße verengen, dann wird der Blutfluss weniger & die dahinterliegenden Körperbereiche werden weniger durchblutet.
Diese Gefäßverengung (Vasokonstriktion) ist sinnvoll, um
weniger Blut zu aktuell nicht bedürftigen Körperregionen zu leiten, damit der Blutstrom zu den Gebieten geleitet wird, die zum aktuellen Zeitpunkt mehr Sauerstoff benötigen
bei kälteren Temperaturen die Wärme im Körper zu speichern oder aufrechtzuerhalten, indem weiter außen liegende Areale wie die Haut weniger durchblutet werden, damit das Blut nicht insgesamt abkühlt & die wichtigsten Bereiche des Körpers weiter wärmen kann - daher ist man im Winter auch bleicher, da die Haut bei kälteren Temperaturen nicht mehr so viel durchblutet wird
Daher kühlt man nach Verletzungen auch meistens die verletzte Stelle erst, damit die Durchblutung in diesem Bereich erst mal vermindert wird - denn durch die Kälte haben die Gefäße das Bestreben sich zusammenzuziehen, wodurch weniger Blut durchgeleitet wird. Vor allem, wenn man sich irgendwo gestoßen hat oder hingefallen ist & ein Bluterguss droht, ist das eine gute Möglichkeit, damit die Bluteinströmung ins Gewebe minimiert wird.
💡 Tipp:
Um sich die Begriffe Vasokonstriktion & Vasodilatation besser zu merken & welcher Begriff welche Bedeutung hat, ist es sinnvoll sich die beiden Begriffe direkt als ein Pärchen zu merken - dadurch weißt du direkt, was das jeweilige Gegenteil ist.
Ich habe mir damals einen Begriff gut merken können, nämlich die Konstriktion - der Präfix (Vorsilbe) 'Kon' bedeutet nämlich 'zusammen' oder 'mit' - auch aus dem Spanischen oder Italienischen herleitbar, falls du eine dieser Sprachen sprichst.
Daher habe ich mir bei 'Konstriktion' einfach gemerkt, dass etwas zusammen geht - dass sich das Gefäß also zusammenzieht & verengt. Die Dilatation war dann einfach nur noch das Gegenteil, nämlich das Auseinanderdehnen & Weiten des Gefäßes.
Wenn wir uns die Venen genauer anschauen, haben sie im Vergleich zu den Arterien eine viel dünnere Muskelschicht, aber dafür einen viel größeren inneren Durchmesser - also ein größeres Lumen. Grund für diesen strukturellen Aufbau ist die Blutverteilung im Körper - unser Blut ist nämlich nicht gleichmäßig im Körper verteilt.
Etwa 70 % des Blutvolumens befindet sich nämlich in den Venen. Man kann sie sich als riesige Speicherleitungen vorstellen, die nicht nur Blut zurück zum Herzen bringen, sondern bei Bedarf auch große Mengen speichern können. Daher ist ihr innerer Durchmesser auch deutlich größer, damit sie mehr Speicherkapazität haben.
Vielleicht hast du dir zu diesem Zeitpunkt auch schon mal diese Frage gestellt: "Wie kommt das Blut aus den Beinen eigentlich wieder zurück zum Herzen?" Vor allem, wenn du jetzt weißt, dass die Venen das Blut zurück zum Herzen transportieren & es genau die Gefäße sind, die eine dünnere Muskelschicht haben. Wie kommt also das Blut gegen die Schwerkraft - zumindest wenn du sitzt oder stehst - wieder hoch zum Herzen?
Dafür habt sich dein Körper wieder etwas sehr raffiniertes ausgedacht. Damit das Blut aus den Beinen den langen Weg zurück zum Herzen schafft, braucht es mehrere Helfer, die perfekt zusammenarbeiten - denn die Schwerkraft macht es dem Blut nicht gerade leicht.
Venenklappen
Das sind Ausziehungen der innersten Gefäßschicht - also aus der Tunica intima -, die wie die Taschenklappen im Herzen als kleine Ventile funktionieren: Öffnen sie sich, darf das Blut nach oben fließen. Schließen sie sich, verhindern sie, dass es zurück nach unten sackt. So wird das Blut Schritt für Schritt weiter nach oben „weitergereicht“.
Muskelpumpe
Immer wenn wir unsere Beinmuskeln anspannen, zum Beispiel beim Gehen, Laufen oder auch nur beim Wippen mit den Füßen, pressen die Muskeln die Venen von außen zusammen. Dadurch wird das Blut wie in einem Schlauch nach oben gedrückt. Die Venenklappen sorgen gleichzeitig dafür, dass es nicht wieder nach unten zurückfließt.
Atempumpe
Auch die Atmung hilft mit: Beim Einatmen entsteht im Brustkorb ein leichter Unterdruck. Dieser Unterdruck saugt das Blut förmlich aus den Venen nach oben – wie ein kleiner Sog, der den Rückstrom erleichtert.
Das Herz als Sogpumpe
Und schließlich spielt auch das Herz selbst eine Rolle. Mit jedem Schlag pumpt es nicht nur Blut nach draußen in die Arterien, sondern erzeugt auch einen gewissen „Sog“, wenn es sich in der Entspannungsphase (Diastole) wieder mit Blut füllt. Dieser Sog zieht zusätzlich Blut aus den großen Venen in Richtung rechter Vorhof.
Im Zusammenspiel ergibt das ein erstaunlich effektives System: Die Muskeln drücken, die Venenklappen sichern den Rückweg, die Atmung unterstützt mit Unterdruck - und das Herz sorgt als Zentrale dafür, dass das Blut am Ende wirklich im rechten Vorhof ankommt.
So wird auch gegen die Schwerkraft zuverlässig verhindert, dass Blut in den Beinen versackt - außer wir bewegen uns lange gar nicht, wie beim stundenlangen Sitzen im Flugzeug oder Büro, wo dieses System nicht richtig genutzt wird.